in Planung: Capsule Wardrobe

 

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr in euren Kleiderschrank guckt und euch dafür schämt, dass er gleichzeitig aus allen Nähten zu platzen droht und ihr doch nicht das richtige zum Anziehen für den Tag oder den entsprechenden Anlass findet? Bei mir kam dieses Gefühl jedenfalls im letzten Jahr unangenehm oft auf. Ich will nicht so viel besitzen und kann mich doch nur schwer von Dingen trennen. Man hat schon so viel und dann hat die Kollegin, die Freundin oder die Schwester so ein schönes Teil an und schon hat man wieder Lust, sich was ähnliches zu kaufen. Oder, und das ist mein persönliches schlimmstes Kaufverhalten: als Aufmunterung oder Trostpflaster für sich selbst an stressigen Tagen. SHOPPING. Was mir beim Basteln schon immer besser gelingt, das fehlt in der Garderobe noch: Mehr Upcycling, mehr Kombinieren von bestehenden Dingen, weniger aufheben, mehr (realistisch) aussortieren, minimalistisch bleiben, viel bedachter und weniger impulsiv sein in der Auswahl.   

 

Als ich mit einer Freundin über das Thema sprach, stellten wir fest, dass es uns beiden ähnlich ging und dass wir beide dem wahllosen Konsum abschwören wollten. Die letzten drei Monate des vergangenen Jahres hatten wir beide daher Shopping-Verbot. Das haben wir uns selbst erteilt und sogar in meinem Notizbuch einen Mini-Vertrag aufgesetzt und unterschrieben. Jaaaa, das war auch eher symbolisch, aber: Es gab einen echten Wetteinsatz. Wer etwas nicht-funktionales (Golfsocken oder ausgeleierte Schlüppis ersetzen war also erlaubt, genau wie Weihnachtsgeschenke o.ä. für andere Menschen) kauft, der muss den entsprechenden Wert des gekauften in eine Kasse für die jeweilige Andere einzahlen. Alles doppelt so teuer quasi!

 

Die einzige Ausnahme, auf die wir uns in der Zeit einmal einließen war eine (wirklich funktionale und bis dahin bei keiner von uns existente) Winterjacke. Ja, ich habe es tatsächlich knapp 10 Jahre in Hamburg ohne was wasserdichtes für kalte Tage geschafft – wollte aber nicht mehr! :) Abgesehen davon waren wir brav und shopping-abstinent.

 

Die Lösung: Capsule Wardrobe?

 

Um Weihnachten herum stolperte ich dann über einen Artikel zum Thema Capsule Wardrobe. Ein Begriff, den ich schon mal irgendwo gehört hatte, von dem ich jedoch nicht ganz sicher war, was eigentlich dahinter steckte. Irgendein Phänomen von vor ein paar Jahren, dachte ich. Beim Reinlesen wurde es dann aber doch spannender als gedacht: Eine sehr minimierte, saisonale Garderobe, bestehend aus irgendwas um die 30 Teile (mal weniger, mal mehr) inklusive Schuhe und manchmal sogar Accessoires. "Be more with less", so eine Idee, die in Beschreibungen immer wieder auftaucht. Nur Teile im Schrank haben, die man wirklich liebt und die man gut kombinieren kann. Mit einem System, das einen von ungeplanten Impulskäufen befreit. Capsule Wardrobe – vielleicht auch eine Lösung für mich?

 

Mal überlegen. Den Ansatz von Caroline von un-fancy fand ich schließlich gut, super sympathisch – und stylish! 37 Teile pro Saison, alle drei Monate wird durchgetauscht. Was gerade nicht benötigt wird, aber schon in der Garderobe vorhanden ist, kommt auf den Dachboden, bis die richtige Zeit wieder gekommen ist. 37 Teile klingt jetzt erstmal gar nicht so wenig – und das ist es auch nicht. Wenn man aber einen Blick in seinen Kleiderschrank wirft, kommt da zumindest bei mir einiges mehr zusammen. Außerdem bewahre ich die Sachen für alle Jahreszeiten gleichzeitig in meinem Schrank auf. Das stopft natürlich noch mehr.

 

Auf Carolines Blog gibt es zahlreiche Kapsel-Beispiele. Wer sich beispielsweise schlecht vorstellen kann, wie das Prinzip auch in kalten Jahreszeiten funktionieren kann: Hier findet ihr ein Beispiel für eine Winter Capsule Wardrobe. Geht doch!

 

endlich konsumbefreit?

 

Capsule Wardrobe heißt natürlich nicht komplette Konsumbefreiung, das ist etwas spitz formuliert. Was ich mir jedoch davon erhoffe: Nicht mehr wahllos zu konsumieren, sondern sehr bedacht. Zu planen, was ich wirklich brauche und davon klar unterscheiden zu können, was ich gerade einfach nur impulsiv haben will. Erspartes Geld vielleicht auf ein Urlaubskonto zu schieben oder mir davon einen lang ersehnten Modetraum für die nächste Capsule Saison zu erfüllen. Mir Klamotten kaufen als Trostpflaster für schlechte Tage, Stress oder mangelndes Selbstbewusstsein abzugewöhnen. Soweit der Plan – ich bin gespannt, was daraus wird.

 

Ich hatte übrigens zunächst auch an das Ordnungssystem von Marie Condo gedacht – was ich dazu gelesen habe, war mir jedoch nicht ganz so spontan zugänglich wie das Prinzip der Capsule Wardrobe. Habt ihr mit einer der beiden oder anderen Methoden Erfahrungen und wenn ja, was ist für euch der erfahrungsgemäße Königsweg? Ich mache mich jetzt auf jeden Fall erstmal daran, auszusortieren und alte Sachen zu spenden und dann meine Capsule Wardrobe für die ersten Monate des Jahres zu planen. Wie ihr im Bullet Journal sehen könnt, hab ich schon mal mit ein paar Skizzen angefangen…

 

Weitere Lesetipps zum Thema:

Anuschka Rees / Into Mind – The curated Closet

Be more with Less – Project 333